Dank Methode aus Israel

Ex-Drogensüchtige: «Ich spüre, fühle, lebe!»

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Eine Sucht-Therapie-Form aus Israel verändert die Suchtproblematik: Mittels «Accelerated Neuroregulation»(ANR) sinkt die Rückfall-Quote gegenüber früherer Verfahren erheblich. Dies erlebte auch A. G. (Name der Redaktion bekannt), die einst süchtig war und befreit wurde, im Interview mit Livenet.

Was hatten Sie vor ANR bereits alles versucht?
A.G.:
Mit 17 Jahren – ich wurde mit 16 Jahren heroinabhängig – hatte ich bereits zwei Entzüge mit Methadon. Dazu kamen einige warme und kalte Entzüge zu Hause. Nach dem tiefen Fall mit intravenösem Konsum ging ich mit 18 Jahren für 20 Monate in eine Langzeittherapie und lebte total abstinent. Nach wiederholtem Konsum ein paar Jahre danach – nebst mittlerweile 20 Jahren Psychotherapie – folgte trotz grossem Widerwillen ein Methadon-Programm. Daneben konsumierte ich permanent Heroin. Die Ersatzdroge hat es nie wirklich gebracht. Die Umstellung auf Kapanol und Sevrelong war für den Moment gut, es brauchte keinen Beikonsum mehr von Opiaten. Trotzdem blieb ich abhängig. Jedes noch so wenige Reduzieren verursachte solche körperlichen Schmerzen und das Reissen, dass es mir niemals gelang, endlich von diesen Suchtmitteln los zu kommen.

Waren Sie skeptisch gegenüber der Methode ANR?
Nein. Ich habe mich aber auch sehr ausführlich darüber informiert. Als ich zu Daniel Beutler in seine Hausarztpraxis in Thun kam für ein Erstgespräch, konnte er mir eigentlich nichts Neues über die Methode erzählen.

Warum haben Sie sich dafür entschieden?
Weil die Logik der Behandlung absolut Sinn macht und einleuchtet. Es wird kein Entzug gemacht, wie bei anderen Verfahren – sondern das natürliche Opiatsystem wird wieder hergestellt. Das heisst, dass die Rezeptorstruktur, welche durch die externe Opiatzufuhr verändert wird, während des Eingriffs reguliert wird. Danach ist man quasi kein Ex-Abhängiger, sondern ein ganz normaler Mensch. Das hat mich beeindruckt und genau so habe ich es erlebt. Das «Craving» bleibt aus. Die Entzugserscheinungen werden in der Narkose abgefangen. Die Methode ist sicher. Für mich persönlich war es einfach der einmalige Schritt, clean zu werden. Die Abhängigkeit zu beenden. Dieses ständige Verlangen zu unterbrechen, welches mir das ganze Leben diktierte. Ich wusste, auf dem herkömmlichen Weg schaffe ich es nicht. Diese Methode schien mir – nach reichlicher Recherche – perfekt.

Wie war es, auf einmal von null auf 100 clean zu sein?
Brutal! Nicht, das «clean» sein. Das fühlte sich genial an. Jedoch die Nebenwirkungen der Narkose am Anfang und die Veränderungen. Ich war wie neu geboren. Ich spürte, fühlte und lebte. Alles, was ich bis dahin nicht mehr kannte. Ich hatte keine Abhängigkeit mehr, kein einziger Gedanke jemals daran. Nur noch ein freies, selbstbestimmtes Leben.

Erlebten Sie keine Entzugserscheinungen?
Nein, keine.

Weshalb würden Sie ANR heute bevorzugen?
Weil die Methode sehr sinnvoll ist. Sie hat bei mir funktioniert, ich war über Jahrzehnte abhängig. Allem voran, weil es durch die Neuregulierung der Opiatrezeptoren zu keinem einzigen Mal zu einer neuen Lust gekommen ist, Opiate zu konsumieren. Ich fühle mich frei – das habe ich vorhin niemals gespürt. Durch die ANR kann ich wieder arbeiten. Ich habe keinen Suchtdruck, bin quasi ein neuer Mensch – ein Mensch, der seine positiven inneren Eigenschaften für die Familie, Freunde, Arbeit und mein Hobby Musik geben kann. Die ANR behandelt das Problem an den Wurzeln, nicht bei den Auswirkungen!

Kennen Sie weitere Personen, die den Ausstieg vorher nicht schafften, denen es nun aber dadurch gelungen ist?
Ja, Ursula B., bekannt geworden durch den DOK-Film «Zürich Junkietown». Sie hat mich während der gesamten Zeit intensiv telefonisch betreut. Sie wurde vor einigen Jahren erfolgreich therapiert durch diese Behandlung. Nachdem Sie mithilfe von ANR – wohlgemerkt, nach Jahrzehnten der Sucht – frei sein konnte, hat sie endlich gemacht, was sie wollte: Ski fahren, sich selbst sein und für andere da sein. Eine wunderbare Person. Sie ist leider letzten September an den Folgen eines medizinischen Eingriffs verstorben. Ich feiere ihre Jahre, die sie durch die ANR geschenkt bekam.

Was ist der Unterschied zu den herkömmlichen Entzügen?
Bei herkömmlichen Entzügen wird die Opiatzufuhr reduziert oder eingestellt. Die Rezeptoren im Gehirn – die, welche die Opiate aufnehmen – reagieren empfindlich darauf. Sie suggerieren dauernd den Hunger darauf – das sogenannte Craving. Dieses führt in den meisten Fällen zu einer Wiederaufnahme der Sucht. In dieser Situation kann ein Abhängiger das kaum ändern! Im Gegensatz dazu reguliert die ANR-Behandlung im Zuge der Narkose dieses Ungleichgewicht neu. Das bedeutet, dass man diesen Hunger auf Opiate nicht spürt. Das erleichtert die ganze Neugewinnung des Lebens. Das ist einmalig und ich möchte es niemals missen.

Zur Webseite:
ANR Europa

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Datum: 06.01.2020
Autor: Daniel Gerber
Quelle: Livenet

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