Starke biblische Bilder

Das Himmelreich im Senfkorn

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Senfkörner (Bild: unsplash.com)
Die Bibel enthält zahlreiche starke Bilder. Bilder, die trösten und warnen, Bilder, die sogar Menschen kennen, die mit frommen Inhalten wenig zu tun haben. Einige stellen wir Ihnen hier vor – heute das Gleichnis vom Senfkorn.

«Wie wird es denn sein, wenn Gottes Herrschaft für alle sichtbar wird?» Das war eine Frage, die die Menschen rund um Jesus immer wieder bewegte, und bis heute bewegt. Denn auf der einen Seite verbinden Menschen so viel Gutes mit der Gegenwart bzw. Herrschaft Gottes – und auf der anderen Seite sieht ihre alltägliche Realität ganz anders aus. Kein Wunder, dass die Jünger nachfragten und dass Jesus regelmässig darüber sprach, was Anzeichen dieses «Reiches Gottes» waren.

Seine Erklärungen gab Jesus allerdings meistens nicht in Klartext ab, sondern in Bildworten, sogenannten Gleichnissen; eines davon ist das Gleichnis vom Senfkorn: «Womit sollen wir das Reich Gottes vergleichen, oder durch was für ein Gleichnis sollen wir es [euch] darlegen? Es ist einem Senfkorn gleich, das, wenn es in die Erde gesät wird, das kleinste ist unter allen Samen auf Erden. Und wenn es gesät ist, geht es auf und wird grösser als alle Gartengewächse und treibt grosse Zweige, sodass die Vögel des Himmels unter seinem Schatten nisten können.» (Markus 4, Vers 30-32)

Alles falsch?

So eingängig das Gleichnis ist, so gern wird es auf der anderen Seite als Beispiel dafür verwendet, dass die Evangelisten es bei ihren Berichten über Jesus nicht so genau nahmen. Ein Senfkorn ist zwar nicht besonders gross – der im Mittelmeerraum besonders verbreitete «Schwarze Senf» hat Samenkörner mit weniger als einem Millimeter Durchmesser –, viele Samen, gerade von Orchideen, sind allerdings bedeutend kleiner. Ähnliches gilt auch für die Grösse der ausgewachsenen Pflanze. Ist Senf wirklich «grösser als alle Gartengewächse» oder sogar «ein Baum» (Lukas 13, Vers 19)?

An dieser Stelle könnte man jetzt eine möglichst wissenschaftlich klingende Verteidigungsrede halten, oder man könnte noch einmal schauen, was Jesus hier gebraucht: ein Gleichnis. Solch eine Bildrede wird nicht dadurch «richtig», dass sie dem aktuellen Stand der wissenschaftlichen Forschung entspricht, sondern dadurch, dass sie etwas allgemeinverständlich auf den Punkt bringt, selbst wenn es dazu einer kleinen Übertreibung bedarf. Wer von sich behauptet: «Ich habe Hunger wie ein Wolf», will nicht unbedingt im Rudel ein Reh jagen, und wer sagt: «Ich bin gerade am Verhungern», ist in unseren Breiten selten vom Tode bedroht, sondern hat einfach Appetit auf ein gutes Mittagessen. Und in dieser Hinsicht haben Jesus, Markus & Co nicht schlecht recherchiert, sondern ihr Anliegen auf den Punkt gebracht: Da wächst etwas ganz gewaltig.

Nein, alles überraschend wahr!

Wenn Jesus in anderen Gleichnissen sich selbst beschrieb oder eine geistliche Wahrheit verglich, dann griff er in der Regel auf bekannte Bilder zurück und sprach vom Weinstock, vom Hirten oder dessen Schafen. Bei unserem Gleichnis mussten seine Zuhörerinnen und Zuhörer allerdings schlucken: Gottes Reich gleicht einem Senfkorn? Jeder wusste doch, dass Senf unnütz war, ein Unkraut. Die Römer behaupteten zwar, dass man damit würzen könnte, aber wer waren schon die Römer? Die jüdischen Rabbiner zählten ihn nicht zu den Gartenpflanzen und verboten seinen Anbau dort sogar, damit er sich nicht ausbreitete wir das sprichwörtliche Unkraut.

Und genau hier kommen wir zu den Vergleichspunkten, die Jesus ansprach. Wo war denn das Reich Gottes? Es war (und ist) schon längst da. Es sieht zunächst klein und unscheinbar aus, aber es wächst zu imposanter Grösse heran. Man muss und kann dazu gar nichts beitragen, und es breitet sich aus wie Unkraut. Dabei ist es nützlicher, als es auf den ersten Blick aussieht – sogar für andere.

Ein Bild bis heute

Gerade im christlichen Kontext wird das Bild von etwas Kleinem, aus dem etwas Grosses wächst, gern mit dem Senfkorn identifiziert. Da gab es zum Beispiel den «Senfkorn-Orden». Der Stifter der Herrnhuter Brüdergemeine Graf von Zinzendorf gründete ihn als 15-jähriger Schüler zusammen mit seinem Freund, dem Schweizer Friedrich von Wattenwyl. Und dann gibt es noch handlich kleine Bibeln, die «Senfkornausgaben».

Zum Thema:
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Datum: 14.04.2022
Autor: Hauke Burgarth
Quelle: Livenet

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