Eine ostkirchliche Verteidigung

Evangelische Freikirchen stehen vielen Orthodoxen nahe

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Freikirchen werden von orthodoxen Polemikern – auch in der Ukraine – gerade wieder als Fanatiker und Geschäftemacher im Predigerrock angefeindet, besonders wegen ihrer Missionsarbeit. Unser Korrespondent bricht – als orthodoxer Christ – eine Lanze für sie.  

Nie werde ich vergessen, wie ich in einer Zürcher Nobelgemeinde ausgebuht wurde, als ich über die Muslimmission zu sprechen begann. Der Kirchgemeindepräsident unterbrach mich persönlich und schnaubte: «Missionierung ist bei uns kein Thema mehr. Und Sie wagen es, ausgerechnet neben der Dialogstätte 'Zürcher Lehrhaus' von Mission zu sprechen!» Das ist gerade jetzt wieder die Haltung vieler, die sich Christen nennen.

Auch für Orthodoxe ein Dauerauftrag

Für uns orthodoxe Christen war Mission immer ein Grundanliegen. Die syrische Kirche hat im ersten Jahrtausend in Arabien, dem Jemen und Äthiopien, in Zentralasien, Indien, China und sogar Japan missioniert, bis die Mongolen islamisch wurden und alles Christliche ausrotteten. Im türkischen Reich stand weiter Todesstrafe auf die Bekehrung von Muslimen, doch es gab es Taufen im Verborgenen und Hinrichtungen bei ihrer Entdeckung. Die heilige Schar dieser «Neuen Märtyrer» wird erst heute langsam bekannt.

Mission – in Afrika!

Aus dem islamischen Verbot der Verkündigung und ihrem Ausweichen in den Untergrund ist die noch immer verbreitete Meinung entstanden, die orthodoxen Kirchen wären nicht missionarisch. Unverhüllte Mission konnte dann aber in Afrika aufleben, wo die Orthodoxen heute am missionarischen Aufbruch der Gegenwart aktiv beteiligt sind. Seit den Anfängen in den 1930er Jahren gibt es regen Austausch zwischen afrikanischen Orthodoxen und Pfingstgemeinden. 

Gemeinsames mit Pfingstlern und Charismatikern

Die innigste Verbindung zwischen Orthodoxie und pfingstlichem Aufbruch gründet jedoch in der beiden gemeinsamen Jesus-Beziehung. Zwar werden von vielen leuchtende Ikonen, vergoldete Kuppeln und mitreissender Kirchengesang als Schönheit oder aber als Ballast für das östliche Christentum wahrgenommen. Im Herzen orthodoxen Christseins steht jedoch der persönliche Anruf durch Jesus und seine Bewahrung im Herzens- oder Jesus-Gebet: Herr Jesus Christus, Sohn des lebendigen Gottes, erbarme ich meiner, des Sünders!

Dieses innerliche oder auch laute Gebet, das drinnen im Herzen keinen Stillstand kennt, dieses immerwährende Herbei- und Herabrufen Jesu führt zur Erleuchtung durch den Heiligen Geist, der sich als «Göttliches Licht» offenbart. Darin sind Orthodoxe und Pfingstchristen sowie andere charismatische «Evangelikale» innig verbunden. Was in Jesus geeint ist, kann nicht durch äusserliche Kirchlichkeiten getrennt werden. Auch in der katholischen Kirche beginnt sich diese Einsicht durchzusetzen.

In der wahren Reformation verbunden

Aus orthodoxer Sicht ist die erste Phase der Reformation mit Luther, Calvin und Zwingli nur eine halbe Reformation, die das Abendmahl unter beiden Gestalten und die Priesterehe wieder erlaubt, aber sonst das Staats- und Amtskirchentum eingeführt hat. Eine wahre Reformation an der christlichen Basis haben nur Täufer, Mennoniten, Hutterer und andere Taufgesinnte verwirklicht. Sie wurden verfolgt und flohen nach Russland, wo sich von den Orthodoxen die «priesterlosen» Altgläubigen mit ihnen verwandt fühlten.

Diese Molokanen als Vertreter einer spirituellen Orthodoxie schlossen sich voll mit ihnen zusammen. Nach dem Vordringen der «neoprotestantischen» Freikirchen nach Ost- und Südosteuropa traten dort Baptisten und Methodisten in enge Beziehungen mit den Orthodoxen. Bei den Bulgaren im Türkenreich stand sogar eine volle methodistisch-orthodoxe Vereinigung vor der Tür, die aber der Sultan durch Schaffung eines «Bulgarischen Exarchats» zu verhindern wusste.

Unterdrückt, aber in Jesus vereint

Im postkommunistischen Russland mit seiner Wiedererrichtung einer staatskirchlichen Orthodoxie und Unterdrückung aller spirituellen Kräfte wenden sich umso mehr Menschen den Freikirchen zu. Dort erst fühlen sie sich mit Jesus verbunden. Putins Machtapparat bekämpft sie daher mit einem Unterdrückungsgesetz nach dem anderen. Doch der leidende Jesus vereint diese dritte, wahre Reformation mit den innerlichen Orthodoxen, die von den Schrecken des Bolschewismus geläutert und nicht verdorben sind!

Zum Thema:
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Schluss mit Schubladendenken!: Der Glaube an Jesus ist keine Denomination

Datum: 09.06.2022
Autor: Heinz Gstrein
Quelle: Livenet

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