Leiterkonferenz der Freikirchen

Gründe für den Erfolg der Freikirchen

Die These, dass die Religion in der Moderne verschwindet, hat sich nicht bestätigt – die Kirchen sind noch da. Ihre Vielfalt ist aber deutlich grösser geworden. Das bekräftigte der Religionssoziologe Fabian Huber von der Universität Basel. Huber referierte an der Leiterkonferenz der Freikirchen am 22. März 2019 in Bern. 

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Fabian Huber (links) stellte den Freikirchenleitern die Studienergebnisse vor.
Fabian Huber ging es aber nicht um die Vielfalt, sondern darum, den medial immer wieder hervorgehobenen Erfolg der Freikirchen zu begründen.

Klassisch, charismatisch, konservativ

Dazu zog er die Studie «Religion in der Ich-Gesellschaft» des Lausanner Religionssoziologen Jürg Stolz und Mitautoren heran, ergänzt mit einer eigenen Studie über die Medien­arbeit der Freikirchen.

Jürg Stolz unterscheidet die Schweizer bezüglich Religiosität in die vier Typen Institutionelle, Distanzierte, Alternative und Säkulare, wobei er die Freikirchler zum institutionellen Typ zählt. Diese wiederum unterteilt er in die drei Milieus klassisch, charismatisch und konservativ.

Stärken: Jugendarbeit, Evangelisation, Medienarbeit

Dass die meisten Freikirchen zumindest nicht Mitglieder verlieren, sondern im günstigen Fall auch wachsen, begründet Stolz zur Hauptsache damit, dass es ihnen gelingt, die Mehrheit ihrer Jugendlichen für die Gemeinde zu gewinnen.

Weitere Erfolgsfaktoren seien die Evangelisation, die Tatsache, dass Autorität akzeptiert werde, und dass Glauben praktisch gemäss Normen gelebt werde. Zudem hätten Freikirchler die Freiheit, ihre Gemeinde auch zu wechseln oder sie zu verlassen.

Auch gelinge es den Freikirchen, durch eine intensive Medienarbeit den inneren Zusammenhalt und die Gemeinschaftsbildung zu stärken, wie Hubers eigene Forschung ergeben hat.

Erfolgreich – wirklich?

In der Diskussion wurde aber deutlich, dass neuere Freikirchen wie zum Beispiel die Vineyard auch stark von Wanderbewegungen aus anderen Freikirchen profitieren. Das gilt auch für das ICF, was Nicolas Legler, Leiter im ICF, das im VFG im Beobachterstatus teilnimmt, nicht bestritt. Legler betonte aber auch, dass sich das ICF als eine kompetitive Kirche verstehe. Ihr Erfolgsrezept sei: «Wir stellen uns dem Wettbewerb, sind kreativ und innovativ.»

In den Medien steht das ICF für alle anderen

Unbestritten ist, dass das ICF in den Medien permanent als Beispiel für die wachsenden Freikirchen dargestellt wird, was der Gesamtrealität nicht entspricht, wie die Freikirchenleiter in Bern bestätigten. Wachstum erleben nebst der Vineyard und dem ICF vor allem die FEG und charismatisch-pfingstliche Freikirchen. Entscheidend sei heute die gelebte Kultur in der Gemeinde, wie ein Freikirchenleiter ergänzte. Sie sei viel wichtiger als das Einhalten von Glaubenssätzen.

Freikirchen und die Politik

Die Leiterkonferenz der Freikirchen hat in Bern auch eine Stellungnahme zur parlamentarischen Initiative «Ehe für alle» verabschiedet. Darin betont sie die Bedeutung von Ehe und Familie, die vom Staat weiterhin zu schützen und zu fördern sei. Zudem schickte sie den Mitgliedern der vorberatenden Kommission eine Kurzfassung mit ihren Argumenten, in der sie auch die Ablehnung der vorgeschlagenen Gesetzesrevision durch den Freikirchenverband begründet. Der Vorstand des VFG hat zudem beschlossen, zum Vaterschaftsurlaub Stellung zu nehmen. In seiner Vernehmlassungsantwort unterstützt er den Gegenvorschlag des Parlaments für einen zweiwöchigen Vaterschaftsurlaub.

Zur Webseite:
www.freikirchen.ch

Zum Thema:
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Medien und Freikirchen: «40 Prozent wissen nicht, was eine Freikirche ist!»

Datum: 02.04.2019
Autor: Fritz Imhof
Quelle: idea Schweiz

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