Christliche Tugenden vermisst

Was wir aus der Posse um Novak Djokovic lernen können

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Novak Djokovic (Bild: Facebook)
Wenn einer eine Reise tut, hat er etwas zu erzählen. Dies gilt auch für den Tennisprofi Novak Djokovic. Seine jüngste Dienstreise nach Australien bietet auch für uns alle einiges an Lehrstoff.

Novak Djokovic hatte zuerst eine Ausnahmegenehmigung erhalten, um an den Australian Open antreten zu können. Doch dann verweigerten die australischen Behörden dem Tennis-Star die Einreise. Nun sitzt der Weltranglistenerste in einem Hotel für Ausreisepflichtige fest. Ein Gericht soll am Montag über die drohende Ausweisung entscheiden. Soweit die Fakten.

Was sich daraus lernen lässt

Aus dieser Geschichte kann man viel über die heutige Gesellschaft lernen. Nicht zuletzt die Tatsache, dass alle im Handumdrehen Informationen finden, um die eigene emotionale Reaktion zu füttern. So etwa jene, die ihn als diskriminiert sehen und ihn als Anti-Impfhelden feiern. Oder etwa jene, die hämische Spässe treiben und von «Novax» und «Djocovid» schreiben.

Andere wiederum finden, dass die australische Regierung damit allen gegenüber fair handelt. Denn warum sollte ein reicher, prominenter Sportler in das Land einreisen dürfen, wenn er nicht geimpft ist und alle anderen Ausländer müssen sich an diese Regel halten, fragt diese «Fraktion».

Warum es komplizierter ist …

Die Geschichte freilich ist etwas komplexer: «Tennis Australia» sowie die Regierung von Victoria haben Djokovic eine Ausnahmegenehmigung erteilt, damit er am Turnier antreten kann. Doch während des Flugs drehte der Wind. Als Kriterium für die Aufhebung des Djokovic-Visums wurde das Kriterium des öffentlichen Interesses 4007 des Migrationsgesetzes herangezogen, das besagt, dass ein Visumantragsteller «frei von einer Krankheit oder einem Zustand sein muss, der eine Bedrohung für die öffentliche Gesundheit in Australien oder eine Gefahr für die australische Gemeinschaft darstellt oder darstellen kann.»

Angesichts der Tatsache, dass diese Kriterien für das Visum galten, als es ursprünglich erteilt wurde, fragt man sich, was sich in dieser kurzen Zeit geändert haben könnte. Hinzu kommt, dass Djokovic Covid-19 hatte, also genesen ist... Da bleiben einige Fragen offen.

Eine Gabe des Christentums sollte wieder aufleben

In einer Gesellschaft, die sich ausschliesslich auf die von Politikern und Bürokraten aufgestellten Regeln stützt, gibt es in verschiedener Hinsicht teilweise wenig Platz für Gnade, Vergebung oder «gesunden Menschenverstand».

Wo alles bis ins kleinste Detail geregelt ist, wo die Macht der Konzerne und die Herrschaft der aufschreienden Social-Media-Meute Hand in Hand gehen und wo alles politisiert wird, besteht die Gefahr, dass die «Gleichheit aller vor dem Gesetz» – eine der Gaben, die das Christentum dem Abendland brachte – verloren geht. Hier geht es nicht nur um Tennis. Es geht um Gerechtigkeit und Gleichheit – für alle. Und etwas Gnade in alle Richtungen und im Umgang untereinander würde niemandem schaden.

Zum Thema:
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Datum: 08.01.2022
Autor: David Robertson / Daniel Gerber
Quelle: Christian Post / ergänzte Übersetzung: Livenet

Kommentare

Danke für diesen Artikel, den ich ausgewogen und differenziert finde. In den öffentlichen Diskussionen wimmelt es doch von Scheinheiligkeit und zweit- und drittrangigen Themen.

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