Auswege aus dem Zynismus

Tipps von Craig Greenfield aus Kambodschas Slums

Der Zustand der Welt, das Handeln von Politikern, aber auch das Um-sich-selbst-Drehen der Kirche scheinen ihn gerade herauszufordern: Zynismus. Bittere, spöttische, beissende Reaktionen. Doch wie lässt sich Zynismus vermeiden? Craig Greenfield identifiziert vier Menschengruppen, die uns aus zynischen Gedanken heraushelfen können.

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Craig Greenfield
Craig Greenfield lebt und arbeitet als Missionar und humanitärer Helfer in einem Slum in Kambodscha. Umgeben von jeder Menge Elend hätte er allen Grund, zynisch und bitter zu werden. In seinem Blog beschreibt er keinen Weg aus diesem Denken, sondern er identifiziert Menschengruppen, die mithelfen, dass der Zynismus nicht gewinnt. Erstaunlicherweise sind es nicht unbedingt die Menschen, von denen man direkt Lebenshilfe erwarten würde…

1. Menschen am Rande der Gesellschaft

Greenfield beschreibt seine Begegnung mit dem Kanadier Jimmy. Dieser lebte bis vor kurzem auf der Strasse, obdachlos und drogenabhängig. Doch dann lud ein Freund Jimmy zum Essen ins Gemeindehaus ein. Er zögerte. Er fühlte sich schmutzig, unpassend, hatte Angst vor Ablehnung. Doch schliesslich siegten seine Sehnsucht nach einer Mahlzeit am Familientisch und seine Neugier. Jimmy kam. Und er wurde nicht nur satt, sondern begegnete Jesus, der ihn veränderte. Jimmys Glaube ist einfach. Er glaubt einfach an einen Gott, der Menschen befreien kann. Weil Gott ihn befreit hat. Angesichts eines solchen Glaubens fällt es schwer, zynisch zu sein, weil er so direkt und echt ist. Greenfield stellt klar: «Diese Art von Hoffnung habe ich immer wieder bei randständigen Menschen gefunden, bei Menschen aus den Slums und Innenstädten der Welt.»

2. Menschen aus anderen Kulturen

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Über seine Erfahrungen berichtet Craig Greenfield auch im Buch "Subversive Jesus".
Die «Alongsider» (Begleiter) sind eine Bewegung junger Christen in Afrika und Asien. Sie setzen sich für Hilfsbedürftige ein, die Begleitung brauchen und verpflichten sich, ihnen zur Seite zu stehen. Zum Beispiel nehmen sie Waisen oder schutzbedürftige Kinder als «kleine Geschwister» an und begleiten sie für ein paar Jahre.  Greenfield erzählt von einem Camp dieser Alongsider und beschreibt ihre Gottesdienste, ihren Lobpreis: «Da ging es nicht um Lehre, Zeitmanagement, Leistung oder Besonderheit. Es ging auch nicht um Röhrenjeans oder Nebelmaschinen. Es ging vielmehr um einen tiefen Schrei von innen, ein freudiges Anrufen Gottes trotz all dessen, was in der Welt im Argen liegt – und glauben Sie mir: Diese Menschen stehen vor vielen Herausforderungen!» Und beim Blick auf diesen einfachen, fröhlichen Glauben unterstreicht er, dass wir als reiche, weisse Christen genau diesen brauchen. Und wir können ihn lernen: Vielleicht gerade von den Geflüchteten, vor denen wir uns momentan abschotten wollen.

3. Alte Menschen

Wenn man als 50-Jähriger zu einer Gemeindeveranstaltung kommt und feststellt, dass man mit 20 Jahren Abstand der Jüngste ist, könnte man bitter werden. Dazu kommen noch die unterschiedlichen Auffassungen allein durch das unterschiedliche Lebensalter. Greenfield beschreibt solch einen Gottesdienst, sein tiefes Durchatmen, seine Entscheidung gegen den Zynismus und wie er im Endeffekt überreich beschenkt wurde: «Die Senioren haben an diesem Abend den Saal gerockt. Es war kalt und regnerisch, doch sie waren neugierig und offen, wollten hören, was Gott in der Welt tut und dafür beten.» Und er ergänzt: «Gott war so gnädig, mir die Augen für die wunderschöne Treue dieser alten Geschwister zu öffnen. Sie lesen regelmässiger in ihrer Bibel als ich. Sie lassen sich Mission etwas kosten und geben viel von ihrem mageren Einkommen. Einige von ihnen gehen buchstäblich für ihre Familien und Missionare auf die Knie – autsch. Ich sehe das Gute und Einfache darin und bin zutiefst dankbar dafür.»

4. Menschen, die gerade zum Glauben gekommen sind

David hat dieses Neu-werden so formuliert: «Erschaffe mir, o Gott, ein reines Herz, und gib mir von Neuem einen festen Geist in meinem Innern!» (Psalm 51, Vers 12). Diese Sehnsucht nach Veränderung macht das Leben neuer Gläubiger oft aus. Sie mögen noch nicht viel vom Glauben wissen, theologisch nicht alles bedenken und oft übers Ziel hinausschiessen, aber sie «brennen». Greenfield erzählt: «Ich erinnere mich an den Besuch bei einer Familie in Kambodscha. Ihre Köchin war gerade zum Glauben gekommen. Die Frau war Analphabetin, aber sie brachte sich selbst das Lesen und Schreiben bei, damit sie in Zukunft in ihrer Khmer-Bibel lesen konnte. Sie war so lebendig. Sie brannte! Und sie war eine Inspiration für mich.»

Der Kampf gegen den Zynismus

Begegnungen mit Menschen, wie den oben beschriebenen, lösen nicht alle Probleme der Welt. Manchmal ist es einfach dran, für Gerechtigkeit zu kämpfen, den Mund aufzumachen oder seine eigene Meinung gegen eine Mehrheit zu vertreten. Doch die Bibel warnt uns völlig zu recht davor, «dass nicht etwa eine bittere Wurzel aufwächst und Unheil anrichtet» (Hebräer, Kapitel 12, Vers 15) in unserem Leben. Craig Greenfields Appell ist deutlich: «Suchen Sie nach Menschen und Orten, die Ihr Feuer wieder entfachen. Tauchen Sie ein in die liebevolle Umarmung Gottes. Und achten Sie dabei besonders auf die Armen, die Fremden, die Waisen und die Neugeborenen.»

Zum Thema:
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Datum: 12.05.2019
Autor: Hauke Burgarth
Quelle: Livenet

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