Es begann mit einem Mord

Herzzerreissendes Zeugnis von arabischem Pastor geht viral

Christen in Israel sind eine kleine Minderheit; Jesus und das Evangelium kommen in den Medien kaum vor. Im September 2018 änderte sich das: Ein arabischer Pastor aus einem Dorf bei Nazareth bezeugte auf vielen Sendern seinen Glauben.

Zoom
Michael Nwaisry
«Seine Videos verbreiten sich wie ein Virus und Leute aus den unterschiedlichsten religiösen Hintergründen teilen sie online», berichtet Bader Mansour, Vorsitzender des Baptistenbunds in Israel. Wie kam es dazu?

Über 30 Jahre lang waren Michael und Lubna Nwaisry treue Diener des Herrn. In den ersten neun Jahren ihrer Ehe bekamen sie keine Kinder, doch schliesslich erhörte der Herr ihr Gebet und sie bekamen einen Sohn. Ihr Sohn Jonathan, 24 Jahre alt und Student, lebte noch zu Hause und war gerade von einer Urlaubswoche im Sinai zurückgekommen. Als er sein Auto parken wollte, geriet er mit jungen Männern in hitzigen Streit. Dieser Streit steigerte sich zu einem Kampf und endete damit, dass die Schläger Jonathan niederstachen und töteten. Das Ganze passierte vor den Augen seiner Eltern, die miterleben mussten, wie er verblutete und starb.

Gebet berührt die Herzen

Michael, der trauernde Vater, sprach bei der Beerdigung, als er vor der Leiche seines Sohnes stand, öffentlich ein herzzerreissendes Gebet. Er dankte dem Herrn für seine Güte und für seinen vollkommenen Willen, gab aber auch zu, dass er nicht verstand, warum Gott dies zugelassen hatte. Das kurze Video seinem Gebet wurde auf Facebook gepostet und viele, die erstaunt waren über den Glauben dieses Mannes, verbreiteten es weiter.

Mansour berichtet: «Ich konnte Michael und Lubna besuchen (…). Wir wollten ihnen unser Beileid ausdrücken, sie trösten und aufmuntern. Einer der Pastoren sprach über das Trauern und wir alle beteten und sangen 'Er ist Herr' und 'Herr, du bist gut'. Doch die wahre Ermutigung kam von Michael selbst; er sagte, dass Gottes Wille vollkommen ist, auch wenn wir ihn jetzt nicht verstehen können. Beim Hinausgehen nahm ich ihn in den Arm und sagte ihm, dass er für mich ein Glaubensheld ist.»

Versöhnungsritual in arabischen Dörfern

In Israel hat die Gewalt zugenommen; das war 2018 nicht der erste Mord in dieser Gegend. Bei Tod durch Fremdverschulden, Streit oder Mord gibt es in arabischen Dörfern (zusätzlich zur gesetzlichen Strafverfolgung) ein spezielles Versöhnungsritual, die sulha: Binnen Tagen kommen angesehene Älteste (jaha), um zu vermitteln und so Unruhen und Racheakte zu verhindern. So wird der Frieden wiederhergestellt und Versöhnung (sulha) verkündet.

Kurz nach dem Vorfall kamen die Würdenträger der jaha auch zu Michael. Diese Gruppe hat bisher alle Mordschauplätze im Land besucht, um dort gemäss der alten sulha-Tradition den Frieden wiederherzustellen. In der Regel sind die Verhandlungen für sie sehr belastend; die Familien, die einen ihrer Lieben verloren haben, lehnen eine Versöhnung meist ab, sie wollen Rache nehmen – und deshalb muss die jaha ziemlich Druck ausüben auf die Hinterbliebenen, damit sie überhaupt einen Weg der Versöhnung suchen. Die trauernden Familien können als symbolische Genugtuung auch einen grössere Geldbetrag verlangen und manchmal bestimmen sie sogar, dass die gesamte Sippe des Mörders für immer aus dem Dorf wegziehen muss.

Schock: Vergebung für die Mörder

Als sie bei Michaels Haus ankamen, standen im Hof dutzende Verwandte und Nachbarn, genau dort, wo Jonathan vor ein paar Tagen niedergestochen worden war. Sie wollten Michaels Forderungen hören.

Michaels Rede – fünf Minuten lang – war für viele ein Schock: Er teilte den Würdenträgern mit, dass er den Mördern vergebe und keine weiteren Ansprüche stelle. Er sagte, er würde ihnen gerne etwas erzählen, und sprach von der Liebe Jesu, dem er nachfolge und diene. Seit 38 Jahren lebe er mit dem Herrn und er werde sich nicht davon abbringen lassen, auch wenn er so Schweres erleben müsse. Dann erklärte er, dass alle gesündigt haben und umkehren müssen. «Ich habe keinen Feind», fuhr er fort und sagte, er vergebe den Mördern; so habe sein Herr ihn gelehrt und das sei kein Zeichen von Schwäche. Er sprach auch seine Verwandtschaft an, die verständlicherweise sehr aufgebracht war, und bat sie, sich zu beruhigen, um dem christlichen Zeugnis, das er jahrelang aufgebaut hatte, nicht zu schaden; der Fall komme vor Gericht.

Imam: «Das ist wahrer Glaube!»

Da trat einer der Würdenträger, ein Imam einer grossen Moschee in Akko, zu Michael: «Das ist Glaube, wahrer Glaube!», und küsste ihn auf die Stirn – ein Zeichen grosser Hochachtung. Auch der Vorsitzende des sulha-Komitees staunte über Michaels Reaktion. Er erzählte allen, er habe im ganzen Land trauernde Familien besucht, vom hohen Norden bis in den tiefen Süden, aber solch einen Mann habe er noch nie erlebt.

Das kurze Video vom Treffen mit den Würdenträgern der jaha wurde in den sozialen Medien veröffentlicht und rief ebenfalls viele Reaktionen hervor; die meisten waren beeindruckt von der Liebe dieses Mannes, einer Liebe, die in den Lehren Jesu gründet. Daraufhin wurde Michael eingeladen, im Radio und auf Online-Nachrichtenseiten zu sprechen, die normalerweise nicht offen dafür sind, dass man etwas über den Glauben an Jesus weitergibt.

Michael im Radio

Michael hatte nun eine Bühne und konnte die Geschichte seines Sohnes öffentlich erzählen. Zunächst erklärte er, warum er ihn Jonathan nannte – «Gottesgabe» –; dann proklamierte er wie Hiob: «Der Herr hat gegeben, der Herr hat genommen; gelobt sei der Name des Herrn.» Weiter erzählte er, dass er sicher weiss, dass sein Sohn jetzt glücklich ist und dass Jonathan jetzt in Ewigkeit bei seinem himmlischen Vater sein darf, denn er hatte Jesus als seinen Herrn und Retter angenommen.

Ferner erklärte Michael, warum er beschloss zu vergeben, was in seinem Volk absolut unüblich ist. In der durch den Teufelskreis von Gewalt und Rache traumatisierten Gesellschaft ist das Evangelium wie «frisches Wasser für eine erschöpfte Seele». Plötzlich erkannten viele: Liebe und Vergebung, das ist die richtige Antwort auf Hass und Rache und ein Heilmittel für die Gewalt in Volk und Land. Viele gaben Gott die Ehre, als sie erkannten, dass Feindesliebe, wie Michael sie erwies, nur durch Jesus und seine verändernde Kraft möglich ist.

Die Polizei hat neun Verdächtige festgenommen. Weiterhin gibt Michael treu die gute Nachricht von Jesus weiter, wo und wann immer sich eine Möglichkeit dazu ergibt, und schon einige Menschen haben daraufhin Jesus als ihren Herrn und Retter angenommen – auf genau dem Fleckchen Erde, auf dem Jesus vor zweitausend Jahren uns Menschen gedient hat.

Würdenträger der jaha kommen zu Michael:

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Datum: 12.08.2019
Quelle: Joel-News

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