Amnesty International

«Religiöse Intoleranz in Ostasien nimmt zu»

Religiöse und ethnische Intoleranz in ganz Ostasien hat im Jahr 2015 aufgrund von diskriminierenden Regierungsbeschlüssen zugenommen. Das sagt ein Bericht von Amnesty International, der am 24. Februar veröffentlicht wurde.

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Chinesen knien und beten, während das Kreuz von ihrer Kirche entfernt wird.
«Verschiedene Regierungen in der Region verursachten selbst einen wachsenden Trend religiöser und ethnischer Intoleranz, von Ausschluss und Diskriminierung, oder versäumten es, ihn anzusprechen», erklärte Amnesty International (London) in seinem jährlichen Bericht über die Menschenrechtssituation auf der ganzen Welt. «Menschenrechtsverletzungen wurden aus ganz Ostasien gemeldet, einschliesslich Laos, Myanmar, Pakistan, Sri Lanka und Vietnam», sagt der Bericht. Er unterstreicht auch das Versagen der indonesischen Regierung, die religiösen Minderheitsgruppen im Land zu schützen, einschliesslich der Christen in der Provinz Aceh. «Lokale Behörden in der Provinz Aceh rissen christliche Kirchen ab, und die Gewalt durch den Mob zwang rund 4000 Menschen, nach Nord-Sumatra zu fliehen», präzisiert der Bericht.

Auch China und Indien

Amnesty drückt auch seine Sorge aus, dass Behörden in China zunehmend die Religionsfreiheit unterdrücken. «Die Kampagne der Regierung, Kirchen zu beschädigen und christliche Kreuze zu entfernen, nahm in der Provinz Zhejiang zu.» Ebenfalls würde die Religionsfreiheit in Gebieten wie der Provinz Xinjiang und in Tibet systematisch unterdrückt.

«In Indien versäumten es die Behörden häufig, Ereignisse von religiöser Gewalt zu verhindern, und manchmal trugen sie sogar dazu bei durch Reden, die polarisierten», hält der Report weiter fest. «Mobs griffen islamische Männer an, die sie verdächtigten, Kühe gestohlen, geschmuggelt oder geschlachtet zu haben.» Dutzende von Künstlern, Schriftstellern und Wissenschaftlern protestierten gegen, wie sie sagten, ein Klima der wachsenden Intoleranz. Auch die Diskriminierung und Gewalt, die auf dem Kastensystem beruht, bleibe in Indien vorherrschend.

Schlechte Aussichten

Ganz allgemein seien die Aussichten für Menschenrechte in Mittel- und Ostasien (Asia-Pacific) düster, wie es Josef Roy Benedict, der Verantwortliche von Amnesty für diese Region, ausdrückte. «Obwohl sich Ostasien weiterhin sozial und ökonomisch schnell entwickelt, bleibt die Menschenrechtssituation oft schlimm. Der wachsende Trend zu Repression und Ungerechtigkeit bedroht grundlegende Freiheiten in der Region.» Ausdrucksfreiheit und Versammlungsfreiheit seien fundamentale Menschenrechte. «Aber Sicherheitskräfte haben diese Rechte in vielen Regionen angegriffen. Viele einzelne Menschen wurden deswegen festgenommen und kriminalisiert.»

Benedict hielt fest, dass aktive Bewegungen für mehr Menschenrechte, vor allem durch die jüngere Generation, zugenommen hätten. Gleichzeitig unterdrückten die Regierungen diese Bewegungen in verschiedenen Formen. Er erwähnte namentlich Kambodscha, Indonesien, Myanmar, Thailand und Vietnam als Länder, die verstärkt Druck auf Grundrechte ausübten. «Wir sind ziemlich pessimistisch, was die Zukunft angeht, denn die Regierungen haben immer weniger politischen Willen, die Fragen der Menschenrechte anzugehen», fügte er hinzu.

Zum Thema:
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Datum: 26.02.2016
Autor: Reinhold Scharnowski
Quelle: Livenet / UCAnews.com

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