Das Rätsel Ciudad Juarez

Transformation der gefährlichsten Stadt der Welt

Auf seiner Mexiko-Reise wird Papst Franziskus heute die Stadt Ciudad Juarez an der Grenze zu den USA besuchen. Die Stadt hat in den letzten Jahren eine erstaunliche Veränderung erlebt – Medien zeigen sich ratlos und spekulieren über die Gründe.

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Ciudad Juarez
Durch den Papstbesuch ist die mexikanische Grenzstadt Ciudad Juarez wieder einmal in die Schlagzeilen gekommen. Ehemals galt sie als «gefährlichste Stadt der Welt» und stand als Symbol für die illegale Einwanderung aus Lateinamerika in die USA, für den blutigen Machtkampf mexikanischer Drogenkartelle, als zentraler Umschlagplatz für die in den USA konsumierten Drogen und für eine grosse Zahl ungeklärter Frauenmorde.

Morde um 90 Prozent zurückgegangen

Die Stadt mit 1,5 Millionen Einwohnern hat sich in den letzten Jahren deutlich verändert. Warum? Die Medien können nur spekulieren. So schreibt die «Tiroler Tageszeitung» vom 11.2.: «2010 erreichte der Krieg zwischen dem Sinaloa-Kartell von Drogenboss Joaquín Guzmán, genannt 'El Chapo', und dem Juarez-Kartell seinen Höhepunkt. 3'000 Menschen wurden in jenem Jahr in der Stadt ermordet, hunderte Frauen verschwanden spurlos. Inzwischen ist die Gewalt deutlich zurückgegangen. Im vergangenen Jahr gab es 300 Morde. Die Regierung führt diesen Rückgang auf das harte Durchgreifen des neuen Polizeichefs und das Präventionsprogramm zurück. Es werde weniger gemordet, weil das Sinaloa-Kartell den Krieg gewonnen habe, heisst es hingegen aus Sicherheitskreisen.»

«Gespenstische Ruhe»

Die Frankfurter Allgemeine spricht von «gespenstischer Ruhe» in der Stadt: «Wo sich noch vor wenigen Jahren Rauschgiftbanden blutige Revierkämpfe lieferten und jeden mit Geld oder Kugel zum Schweigen brachten, der sich ihnen nicht fügte, herrscht heute gespenstische Ruhe. Politik und Kriminelle haben mit- und untereinander derzeit wohl Burgfrieden geschlossen.»

Und die deutsche Agentur «domradio.de» hält fest: «Der Name 'Ciudad Juarez' steht noch mehr als Morelia für den Drogenkrieg, der das Land zu Beginn des 21. Jahrhunderts an den Rand der Anarchie getrieben hat. 2010 wurden allein dort 3'000 Menschen ermordet. Inzwischen scheinen die bürgerkriegsähnlichen Zustände überwunden, und der Besuch des Papstes – einschliesslich einer Visite in einem der grössten und gefürchtetsten Gefängnisse des Landes – könnte ein weiteres Hoffnungssignal werden.»

«Die Stadt ist wiederauferstanden»

Am deutlichsten wird die Berner Zeitung, ebenfalls vom 11.2.: «Juárez galt noch vor wenigen Jahren als die gefährlichste Stadt Mexikos und ist zum Symbol für den Drogenkrieg geworden. 2015 wurden gemäss Medienberichten 308 Menschen umgebracht – eine hohe Zahl für eine Bevölkerung von 1,3 Millionen, aber eine deutliche Verbesserung zu 2010 mit mehr als 3'600 Todesopfern. Die Stadt sei wiederauferstanden, sagte César Duarte, Gouverneur der Provinz Chihuahua, nach einem Bericht der Zeitung 'El Universal'.»

Was ist der wirkliche Grund?

Wenn eine Stadt eine solche Transformation erlebt, wirken immer verschiedene Faktoren zusammen. So sind, zum Beispiel, viele Sozialprogramme auf die Beine gestellt worden, die langsam greifen. Aber der tiefste Auslöser der Veränderung ist wohl ein geistlicher Faktor. Livenet hat mehrmals darüber berichtet: Bereits im Jahr 2010 gingen Jugendliche in der Stadt für Jesus und Versöhnung auf die Strasse, und im Januar 2016 berichteten wir über die Pastoren, die sagten: «Es reicht!» Christen wurden eins, begannen im Sturm zu beten und brachten in der Weihnachtszeit 2013 die Botschaft der Versöhnung zu Zehntausenden von Menschen – mit dramatischen Folgen. Es ging nicht lange, bis die Leute merkten, dass sich die Stadt veränderte. Radio und Fernsehen begannen, darüber zu berichten; die Medien merkten: etwas ist geschehen, obwohl sie nicht genau wussten was. In dem Jahr nach dem Weihnachtseinsatz nahm die Kriminalität in Juarez spürbar ab. Christen wissen, dass dies das direkte Ergebnis von Gebet war. 

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Grenzübergang nach El Paso, USA
«So fern von Gott – so nahe an den USA»

Ciudad Juarez ist noch nicht frei von Kriminalität. Auch 300 Morde pro Jahr sind noch zu viel. Aber etwas hat begonnen, sich zu verändern. Wo die Menschen noch vor kurzem selbstironisch sagten «Tan lejos de Dios – tan cerca de los Estados Unidos» (So fern von Gott – so nah an den USA), sind in den letzten Jahren Tausende von Christen mit ihrem Glauben auf die Strasse gegangen, und immer mehr Menschen sind als Ergebnis nicht mehr «so fern von Gott».

«Der Glaube muss auf die Strasse»

Auch wenn Papst Franziskus kein evangelischer Christ ist, wird er doch die Christen in Mexiko in dieser Mission unterstützen. Er erhoffe sich von den Mexikanern einen reifen, erneuerten, offen gelebten und missionarischen Glauben, sagte Franziskus vor seiner Reise auf eine entsprechende Frage hin. Die Welt wünsche sich einen bezeugten Glauben, der nicht «wie in einer Konservenbüchse eingeschweisst» daherkomme, so der Papst: «Unser Glaube ist ein Glaube, der im Kontakt entsteht, im Gespräch mit Jesus, unserem Retter, dem Herrn. Und dieser Glaube muss hinausgehen auf die Strasse, an den Arbeitsplatz, er muss sich im Umgang mit den anderen äussern, im Dialog, im Verstehen, im Vergeben. Wenn der Glaube nicht auf die Strasse hinausgeht, hilft er nicht, und auf die Strasse hinausgehen, heisst nicht, eine Prozession zu machen.»

Genau das bedeute es, den Glauben zu erneuern: hinausgehen. Ciudad Juarez – und viele andere Orte auf der Welt – zeigen, was es bewirken kann, wenn Christen gemeinsam mit ihrer Botschaft der Versöhnung in die Offensive gehen.

Zum Thema:
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Datum: 17.02.2016
Autor: Reinhold Scharnowski
Quelle: Livenet

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