Wellness durch Religion

Menschen mit religiösen Überzeugungen haben einer australischen Studie zufolge eine bessere Lebensqualität und ein höheres Wohlbefinden als Atheisten.

Religiöse Menschen hätten "ein stärkeres Gefühl für einen Lebenssinn, ein grösseres Interesse an persönlicher Fortentwicklung und eine optimistischere Lebenseinstellung", sagte Peter Kaldor, Autor der Untersuchung "Spiritualität und Wohlbefinden in Australien", kürzlich bei der Vorstellung in Sydney.

Auch sind nach den Erkenntnissen des multikonfessionellen Forschungsinstituts National Church Survey (NCLS) religiöse Menschen eher bereit, Geld für wohltätige Zwecke zu spenden, Mitmenschen zu helfen und sich ehrenamtlich zu engagieren. Somit seien sie für eine "gesunde Gesellschaft" von grosser Bedeutung.

Anhänger "alternativer spiritueller" Richtungen rangierten auf der Wohlbefindensskala hinter Mitgliedern traditioneller Religionen. Kaldor vermutet, dass "alternative Spiritualitäten" kein so klares "Rahmenwerk für das Leben" böten.

Die Forscher der NCLS befragten 1514 Erwachsene. NCLS wird von der Uniting Church und der anglikanischen Wohlfahrtsorganisation Anglicare getragen.

Glauben an Gott ist gesund

Auch eine Vielzahl von früheren Studien belegen einen gesundheitsfördernden Einfluss der Religion. An der Harvard Medical School werden schon Einführungskurse über Spiritualität und Medizin angeboten: Die angehenden Ärzte sollen lernen, die religiöse Haltung des Patienten sowie die eigene Spiritualität in den Heilprozess einzubeziehen. Religiöse Schwärmerei? Keineswegs. Würde man das Zusammenspiel von Körper und Geist besser verstehen und die Ressourcen der Religion nutzen, so rechnet der Harvard-Mediziner Herbert Benson bereits vor, so könnte die Hälfte aller stressbedingten Arztbesuche unterbleiben.

Intensive Religiosität, so der Tenor vieler Studien, beeinflusse Gesundheit und Lebenserwartung positiv. Doch was heisst dabei "Religiosität"? Die meisten empirischen Studien machen dies an der Zugehörigkeit zu religiösen Gemeinschaften fest, an Gewohnheiten wie Kirchgang, Gebet oder Bibellektüre oder auch an der Selbsteinschätzung der Befragten. Die Ergebnisse legen mitunter einen dramatischen Einfluss der Gottesfürchtigkeit auf die Gesundheit nahe, nicht nur im psychischen Bereich.

Religion wirkt sich aber nicht immer positiv aus. Verklemmte, einengende und neurotisierende Frömmigkeit oder weltfremder Mystizismus können sogar schädlich sein. Oder nutzlos wie die Kirchenzugehörigkeit, die nur auf dem Papier steht. Hilfreich sind nur der gelebte Glaube, das praktizierte Gebet und der Zusammenhalt in der Gemeinde.

Von 212 Studien, die den Einfluss religiöser Faktoren auf körperliche Gesundheit untersuchten, bescheinigen 160 eine günstige Wirkung der Religion, 37 gemischte oder keine Auswirkungen und 15 negative Effekte.

Als etwa der Einfluss des Kirchgangs auf rund 90000 Bewohner des Grossraumes Washington untersucht wurde, zeigten sich bei den regelmässigen Gottesdienstbesuchern weniger Tuberkuloseerkrankungen, eine um 50 Prozent verminderte Todesrate durch Infarkte, weniger Lungenemphyseme und Leberzirrhosen. Vor allem bei Frauen ist starke kirchliche Verbundenheit ein herausragender sozialer Faktor, der die Sterblichkeitsrate senkt. Doch auch bei Männern, die häufig zur Kirche gehen, ist das Risiko einer Kreislauferkrankung 60 Prozent geringer als bei weniger kirchenbeflissenen Zeitgenossen.

Vertrauen auf Gott entscheidend

Die Psychologie muss sich von der Vorstellung verabschieden, dass Religion der seelischen Gesundheit schade: Der Glaube macht häufiger gesund als krank. Auf diesen Zusammenhang weist Heiko Ernst, Chefredakteur des Magazins "Psychologie heute“, in einem Sonderheft des Magazins zum Thema "Glück, Glaube, Gott – Was gibt dem Leben Sinn?“ hin.

Ernst zitiert den US-amerikanischen Psychologen David Larson, der wissenschaftliche Studien systematisch auf Zusammenhänge zwischen Glauben und psychologischer Gesundheit ausgewertet habe. Ergebnis: Religiosität wirke sich in 84 Prozent der Fälle positiv aus, in 13 Prozent neutral, und nur bei drei Prozent erweise sich Gläubigkeit als gesundheitsabträglich.

Von der gesundheitsfördernden Kraft des Glaubens profitierten am ehesten Menschen, die ihr Schicksal vertrauensvoll in die Hand Gottes legen und ihre Probleme loslassen könnten. Typisch für diese Haltung seien Gebete des Typs "Dein Wille geschehe“.

Quellen: Kipa/Die Zeit/Psychologie Heute

Datum: 15.12.2004

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