Halleluja-Kolumnist im Talk

Sam Urech: «Sich aufs Wesentliche besinnen!»

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Sam Urech (Bild: Livenet)
Mehr als 100 Nau.ch-Kolumnen hat Sam Urech inzwischen verfasst, welche über 145'000 Kommentare zur Folge hatten. Was treibt ihn an, seine Gedanken als Christ so ehrlich in der Öffentlichkeit zu teilen?

Einer, der sich so stark dem Wind in der Öffentlichkeit aussetzt, hat auch ein gutes Bild über die Stimmungslage in unserer Gesellschaft. Deshalb hat ihn Livenet-Chefredaktor Florian Wüthrich zum Jahresende nach Bern eingeladen. «Sam Urech ist einer der Christen, die in der säkularen Welt immer wieder für Aufruhr sorgen.» Mit diesen Worten eröffnet Wüthrich die Sendung mit dem Halleluja-Kolumnisten, die auf YouTube in voller Länge abrufbar ist.

Glaube lange Zeit eine Last

«Die längere Phase meines Lebens war ich ein bedrückter Christ voller Angst, voller Scham, voller Fragen und Zweifel», gibt Sam Urech unumwunden zu. «Das Masterproblem in meinem Leben war, dass ich daran zweifelte, ob Gott es gut mit mir meint.» Diese Zweifel waren für Sam sehr schlimm. «Das legte mich in den meisten Bereichen meines Lebens lahm.»

Den christlichen Glauben empfand er als Last. Doch das hat sich inzwischen geändert. «Heute erlebe ich das Christentum und meine Beziehung mit Jesus als etwas Leichtes und Fröhliches.» Natürlich sei dies nicht jeden Tag sehr ausgeprägt. Doch die Freude an Jesus gehöre zu seinem Leben dazu.

Plötzlich Halleluja-Kolumnist

Silvester 2019/2020 verbrachte Sam mit Freunden. An dieser Silvesterfeier wurde er gefragt, was er sich fürs 2020 wünsche. «Ich antwortete, dass ich gerne mal etwas Herausforderndes, Schönes und Aufregendes mit Gott erleben möchte.» Im Januar ergab sich dann die überraschende Möglichkeit, eine Kolumne beim Nachrichtenportal Nau.ch zu schreiben. «Ich dachte, das sei jetzt vielleicht das Aufregende und entschied, es zu machen.» Damals ging Sam davon aus, dass es sich nur um ein paar wenige Kolumnen handeln würde. «Dass es jetzt ein solches Ausmass angenommen hat – das habe ich mir damals nicht überlegt.» Inzwischen hat er schon mehr als 100 Halleluja-Kolumnen geschrieben.

«Sind Christen Heuchler?»

Sams erste Kolumne trug den Titel «Christen sind Heuchler». «Das war provozierend», blickt er zurück und fügt an, dass der Titel vielleicht besser als Frage formuliert werden würde. Grundsätzlich ist ihm das Thema wichtig. Er ist überzeugt, dass Christen oft heucheln – und dabei schliesst er sich selbst mit ein. Christen haben Vergebung und Erlösung erfahren und Gott kennengelernt. Wenn wir nun miteinander streiten und auf unser Recht pochen, passt das nicht zusammen. «Krasseres Heucheln geht nicht.» Trotz seiner Kritik hält er mit Nachdruck fest, dass das Christentum eben doch das Richtige sei.

Eine andere Kolumne mit dem Titel «Bitte beten Sie für Alain Berset» wurde 250'000 mal gelesen. «Ich war nicht einverstanden mit Alain Berset», erzählt Sam aus der Zeit, als er den Text schrieb. «Deshalb wollte ich die Kolumne missbrauchen, um meinen Missmut ihm gegenüber auszudrücken.» Nach dem Schreiben, fragte er sich dann, was er eigentlich aussagen wollte. Ihm wurde bewusst, dass diese Kolumne niemanden weiterbringen würde und so passte er sie an, bis er letztlich nichts anderes mehr vermitteln wollte als ein Aufruf, für Alain Berset zu beten.

145'000 Kommentare

Bislang wurden Sams Kolumnen mehr als 145'000 mal kommentiert. «Die meisten Kommentare habe ich selbst gesehen», sagt er und erwähnt auch, wie er bei der Freischaltung der Kommentare sehr gute Unterstützung erhält. «Bei Nau.ch gibt es ein engmaschiges System, durch welches 80 Prozent der Kommentare erst einmal zurückgehalten werden, weil irgendetwas erkannt wird, das eine Beleidigung oder Bedrohung darstellen könnte.» Darunter fänden sich zuweilen sogar Morddrohungen. Die abgelehnten Kommentare werden dann durchgesehen und alle freigeschaltet, die in der ersten Runde zu Unrecht abgelehnt wurden.

Welches Bild geben Christen ab?

Wie viele andere, macht sich auch Sam Gedanken über die Christen in unserem Land. «Ich hatte immer gedacht, dass uns Druck von aussen zusammenschweissen würde. Ich dachte auch, dass wir Christen es in der Schweiz gut haben und ich ging davon aus, dass eine allfällig kommende Verfolgung uns vereinen würde.» Nach zwei Jahren Pandemie ist Sam ernüchtert. «Der Druck hat nicht dazu geführt, dass wir eins werden und uns aufs Wesentliche besinnen. Es drückt uns eher auseinander und das finde ich sehr schade.»

Es sind mitunter solche Beobachtungen, die Sam zum Schreiben der Livenet-Kolumne über Selbstmitleid geführt haben. Sein Anliegen war, dass wir uns wieder aufs Wesentliche besinnen.

«Prioritäten bitte richtig setzen»

Sams Artikel «Selbstmitleid ist gefährlicher als jede Impfung» wurde bei Livenet veröffentlicht und auch hier gab es zahlreiche Reaktionen. «Als Corona-ungeimpfte Person, die sich öffentlich dazu bekennt, erhalte ich viele Meldungen von Menschen, die ihren Frust bei mir abladen.» Die Ängste und Nöte dieser Leute haben Sam bewegt. Mit der Kolumne wollte er diese Menschen aufrufen, ihre Prioritäten richtig zu setzen. «Einfach aus Sturheit am eigenen Entscheid gegen die Impfung festzuhalten, finde ich schade.» Wenn der Fokus nur noch auf der Impfung liegt, sei es besser, sich die Impfung zu holen. Schliesslich dürfe dieses Thema unser Denken nicht dominieren.

Seine persönlichen Gründe gegen die Impfung will Sam nicht offenlegen. Er will niemanden gegen das Impfen überzeugen. Vielmehr folge er den Gründen, die er ganz persönlich für sich hat und diese könnten sich vielleicht auch einmal ändern. «Ich bin der Meinung, dass jeder seinem inneren Kompass folgen sollte.» Das Herz sollte frei und der Glaube eine fröhliche Sache sein – selbst in Herausforderungen und Schwierigkeiten.

Hier können Sie den Livenet-Talk mit Sam Urech in voller Länge anschauen:

Zum Thema:
Kolumne von Sam Urech: Selbstmitleid ist gefährlicher als jede Impfung
Kolumne von Sam Urech: Wann blasen wir die Zivilisation in Stücke?
Kolumne von Sam Urech: Warum fürchten wir uns vor der Endzeit?

Datum: 31.12.2021
Autor: Markus Richner-Mai
Quelle: Livenet

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