Antrag von Abgeordneten

Deutschland: «Suizid darf nicht zur normalen Sterbensart werden»

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Im deutschen Bundestag wird die Hilfe zum Suizid gesetzlich neu geregelt. Parlamentarier fordern, auch die Suizidprävention durch ein Gesetz zu stärken. Christliche Verbände unterstützen den Antrag.

Wie das Medienmagazin «pro» berichtet, fürchtet eine Gruppe um die Abgeordneten Lars Castellucci (SPD) und Ansgar Heveling (CDU/SCU), dass bei der neuen Gesetzgebung der Suizid «eine normale Form des Sterbens werden könnte». Sie fordern die Bundesregierung darum auf, einen Gesetzentwurf vorzulegen, der die Suizidprävention weiter stärkt.

In Deutschland nehmen sich jeden Tag 25 Menschen das Leben, das sind über 9'000 im Jahr. Drei Viertel davon sind Männer. Die Suizidversuche liegen nach Schätzungen etwa zehnmal so hoch.

«Zuwendung, Beratung, Unterstützung»

«Ich möchte in einer Welt leben, in der alle Menschen ihren Platz haben und niemand sich überflüssig fühlt oder als Last empfindet», erklärte Castellucci gegenüber «pro». «Hier muss es um Zuwendung, Beratung, Unterstützung gehen – alles Dinge, die in unserer hektischen Zeit zu kurz kommen.» Man müsse «alles dafür tun, dass Menschen Lebenswillen haben oder diesen wiederfinden, vor allem durch andere Menschen». Castellucci: «Wenn stattdessen der assistierte Suizid immer normaler würde, hätte das auch Konsequenzen für die ganze Gesellschaft: Der Druck auf verletzliche Gruppen, vor allem Ältere, würde steigen.»

Christliche Verbände begrüssen den Antrag

Die Initiative zur Stärkung der Suizidprävention wird von der Evangelischen Allianz in Deutschland (EAD) unterstützt. «Wir haben als Christen die Verantwortung, Menschen in Krankheits- und Krisensituationen zur Seite zu stehen», erklärte der EAD-Politikbeauftragte, Uwe Heimowski. Der Vorsitzende der EAD, Ekkehart Vetter, forderte christliche Gemeinden und Verbände dazu auf, sich mit dem Thema Suizidprävention zu beschäftigen. «Dazu gehören Themenabende mit geeigneten Experten und Initiativen, durch die Menschen ermutigt werden, sich in einer Lebenskrise an Vertrauenspersonen zu wenden», erklärte Vetter in einer Pressemitteilung.

Der Deutsche Caritasverband und die Diakonie Deutschland halten laut «pro» ein Gesetz zur Verbesserung der Suizidprävention ebenfalls für «dringend erforderlich». Statt nur auf Sterbehilfe zu setzen, solle der Bundestag sich mehr für die Suizidprävention stark machen. «Ein Suizidpräventionsgesetz ist unbedingt erforderlich und wäre ein starkes gesellschaftliches Zeichen des Parlaments für eine angemessene Balance von Lebensschutz und Selbstbestimmung», sagte der Präsident der Diakonie, Ulrich Lilie.

Bundesweiter Präventionsdienst

Die Abgeordneten wollen mit ihrem Antrag auch erreichen, dass der Zugang zu tödlichen Substanzen und geeigneten Orten für eine Selbsttötung erschwert werden, so «pro». Darum schlagen sie einen bundesweiten Suizidpräventionsdienst vor, der «rund um die Uhr Kontakt mit geschultem Personal ermöglicht und Wege zur Hilfe eröffnet».

Nach Auffassung von Volkmar Klein (CDU), einem Befürworter des Castellucci-Antrages, dürften Angebote für assistierten Suizid keinesfalls leichter zugänglich sein als psychotherapeutische und psychiatrische Hilfe sowie gute Pflege im Alter.

Hermann Gröhe (CDU), erklärte in einem Interview mit «pro» zur Neureglung der Suizidbeihilfe: «In dem Bemühen, durch vorbeugendes Handeln Selbsttötungen zu verhindern, wurde schon einiges erreicht.» Gröhe fordert «überall im Land umfassende Beratungs- und Hilfsangebote sowie geeignete Therapieplätze ohne lange Wartezeiten».

Zum Thema:
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Datum: 02.08.2022
Autor: Reinhold Scharnowski
Quelle: Livenet / PRO Medienmagazin / Wikipedia

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