Lebensrechts-Demo in Berlin

Weniger Teilnehmer, weniger Protest

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Marsch für das Leben in Berlin (Bild: PRO Medienmagazin)
Gegen Abtreibung und für das Lebensrecht Ungeborener sind am Samstag tausende Menschen auf die Berliner Strassen gegangen. Der heftige Widerstand vergangener Jahre gegen den «Marsch für das Leben» blieb in diesem Jahr aus.

Die Stimmung der Polizisten war angespannt, als sich am Samstag gegen 14 Uhr der «Marsch für das Leben» vom Brandenburger Tor in Berlin aus in Bewegung setzte. In den vergangenen Jahren war es am Rande des Aufzugs der Lebensschützer zu zahlreichem und lautstarkem Gegenprotest aus dem linken Lager gekommen. Auch in diesem Jahr waren mehrere Demonstrationen und Veranstaltungen in Berlin-Mitte angemeldet. Zudem rechneten die Beamten mit weiterem unangemeldetem Protest. Insgesamt hat die Polizei daher 1'350 Einsatzkräfte im Zentrum Berlins aufgeboten.

Bereits zum Auftakt der Demonstration der Lebensschützer auf dem Platz des 18. März hinter dem Brandenburger Tor musste die Polizei erstmals eingreifen. Eine Schweigeminute für abgetriebene Kinder, zu der der ehemalige Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz (DEA) und amtierende stellvertretende Vorsitzende des Bundesverbands Lebensrecht, Hartmut Steeb, aufgerufen hatte, wurde von Gegendemonstrantinnen gestört. Diese hatten sich unter die mehrheitlich christlichen Lebensrechtler gemischt und riefen: «My Body, my Choice, raise your voice» (Mein Körper, meine Entscheidung, erheb deine Stimme). Ohne grossen Widerstand haben sich die Personen aber nach Aufforderung der Polizei entfernt.

Weniger Teilnehmer als erwartet

Zuvor hatte das Bundestagsmitglied Hubert Hüppe (CDU) vor den schätzungsweise rund 3'000 Demonstranten gesprochen – die Veranstalter rechneten mit 9'000. Veranstalter des Marsches für das Leben ist der Bundesverband Lebensrecht. 2021 nahmen rund 4'500 Teilnehmer an der Demonstration teil.

Hüppe bezeichnete das Recht auf das Leben «als das wichtigste Grundrecht». Für ihn sei «Lebensschützer» kein Schimpfwort, sondern etwas Gutes. Hüppe übte in seiner Rede auch Kritik an der laufenden Debatte über assistierten Suizid und warnte, durch eine Zulassung von Leihmutterschaft, «Frauen zu Gebärmaschinen zu machen».

Steeb betonte ebenfalls die positive Konnotation von Lebensschutz. Wer sich für das ungeborene Leben einsetze, handle «frauenfreundlich».

Wenig Gegenprotest

Als sich der Menschenzug in Bewegung setzte, dauerte es nicht lange bis zum ersten Zwischenfall. Bereits «Unter den Linden», wenige Meter vom Brandenburger Tor entfernt, versuchten Gegendemonstranten mit einer Sitzblockade, den Zug der Lebensrechtler durch die Berliner Innenstadt zu unterbinden. Polizeibeamte lösten die Blockade allerdings umgehend auf. Der weitere Verlauf der Lebensrechtsaktion verlief dann weitgehend ruhig. Der lautstarke Protest aus vergangenen Jahren an der abgesperrten Aufzugstrecke blieb in diesem Jahr nahezu aus. Nur vereinzelt störten kleine Gruppen mit Trillerpfeifen und Parolen wie: «Hätte Maria abgetrieben, wärt ihr uns erspart geblieben» oder «Kondome, Spirale, Linksradikale».

Eine Ursache für die geringe Mobilisierung des Gegenprotestes an der Strecke war eine Demonstration des Bündnis «What the Fuck». Deren Veranstaltung mit 500 Teilnehmern, die für ein Recht auf Abtreibung demonstrierten, begann bereits 12 Uhr. Der anschliessende Aufzug führte vom «Marsch für das Leben» weg.

Nach ihrem Zug durch die Berliner Innenstadt wurden die Lebensrechtler beim Rückweg zum Brandenburger Tor durch eine Sitzblockade behindert. Auf Höhe des Bundesrates in der Leipziger Strasse kauerten sich etwa zehn Gegendemonstranten mit verschränkten Armen auf die Strasse. Der Demonstrationszug musste stoppen, bis die Polizei unter lautstarkem Protest der Gegendemonstranten die Sitzblockade auflöste.

Auch in der Schweiz sind am Wochenende Menschen für das Recht auf Leben auf die Strasse gegangen. Auf dem Marktplatz von Zürich-Oerlikon versammelten sich am Samstag nach Angaben der Veranstalter rund 1'000 Teilnehmer beim «12. Marsch fürs Läbe» (Livenet berichtete).

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Datum: 19.09.2022
Autor: Martin Schlorke
Quelle: PRO Medienmagazin

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