Im iranischen Gefängnis

«Wir durften keine Bibel haben, aber wir lebten ihre Werte»

Zwei iranische Christinnen verbrachten 259 Tage wegen ihres Glaubens im Gefängnis. «Gott gab uns die Chance, den Leuten das Evangelium weiterzugeben, die es hören mussten», berichten Maryam Rostampour und Marziyeh Amirizadeh.

Zoom
Maryam Marziye und Marziyeh Amirizadeh am Ministertreffen zur Förderung der Religionsfreiheit
Christen im Iran leben in ständiger Gefahr. Immer wieder landen sie im Gefängnis für ihren Glauben. So auch Maryam und Marziyeh. Die beiden Frauen hatten zwei Untergrundgemeinden gegründet und verschenkten 20'000 Neue Testamente an ihre Landsleute. Grund genug für die iranische Regierung, die beiden hinter Gitter zu bringen.

2009 wurden sie verhaftet und in das gefürchtete Evin Gefängnis in Teheran gebracht. Die dortigen Gefangenen werden regelmässig gefoltert, etwa durch Morddrohungen, Vergewaltigung, Schlafentzug, Elektroschocks und Schläge. Für Christen ist die Situation sogar noch schlimmer. «In iranischen Gefängnissen hat niemand irgendwelche Rechte und für uns war es noch schlimmer wegen unseres Glaubens. […] Wenn wir krank wurden und den Ärzten von unseren Anklagepunkten erzählten, verweigerten sie uns jede Medizin», erinnern sich die beiden.

«Sie konnten uns nicht hindern»

«Zunächst haben wir für unsere Befreiung gebetet», berichtete Maryam Rostampour in einem Interview mit Al Arabiya English. «Aber nach ein paar Tagen merkten wir, dass Gott uns die Möglichkeit geschenkt hatte, die Botschaft des Christentums den Menschen weiterzugeben, die sie am dringendsten hören mussten.»

Die zwei Frauen erzählten Hunderten Mitgefangenen von Jesus und beteten mit ihnen. «Wir durften keine Bibel haben, aber wir lebten ihre Werte im Gefängnis aus», berichtet Marziyeh Amirizadeh. «Die Wächter konnten uns nicht daran hintern, mit den Gefangenen über das Christentum zu sprechen und das brachte sie zur Weissglut. Wir waren ja schon im Gefängnis, was konnten sie uns noch antun?»

Zunächst wurden die beiden von einigen Mitgefangenen beleidigt und beschimpft – doch später wurden sie akzeptiert und dieselben Häftlinge entschuldigten sich für die Kommentare. Sogar einige der Wächter begannen, ihnen zu vertrauen.

Wieder frei

Nach 259 Tagen starken internationalen Drucks wurden sie wieder freigelassen. Dennoch erklärt Amirizadeh, dass sie sich im Gefängnis freier fühlte als auf den Strassen Teherans. Heute leben die beiden in den USA und haben ein Buch über ihre Erfahrungen im Gefängnis geschrieben. «Unsere Botschaft an das iranische Regime ist: Ihr könnt nicht 80 Millionen Menschen unterdrücken. Ihr könnt nicht jeden strafrechtlich verfolgen, der im Iran gegen euch ist. Dafür gibt es nicht genügend Gefängnisse. Wir glauben, dass der Iran eines Tages ein freies Land sein wird!»

Zum Thema:
Als Christ im Gefängnis: «Gott war mit mir in der Einzelhaft»
Endlich frei – was jetzt?: Wie iranische Christen die Zeit im Gefängnis aufarbeiten
«Erschütternde Anzahl»: Iran: 114 Christen innerhalb von einer Woche inhaftiert

Datum: 28.02.2020
Autor: Evangelical Focus / Rebekka Schmidt
Quelle: Evangelical Focus / Übersetzt und bearbeitet von Livenet

Kommentar schreiben

Bitte melden Sie sich an oder registrieren Sie sich neu, um diesen Artikel zu kommentieren.
Anmelden
Mit Facebook anmelden

Kommentar

Regula Lehmann: Empörung ist billig
Wir befinden uns inmitten der Fastenzeit vor Ostern. Livenet-Kolumnistin Regula Lehmann fastet...

Adressen

CGS ECS ICS

Ratgeber

Fünf schlechte Trennungsgründe Nicht zu früh das Handtuch werfen
Vielleicht sind Sie kurz davor, Ihre Koffer zu packen und zu gehen. Weil Sie das Gefühl haben,...