Willow Creek Leitungskongress

«Jesus hat Erfahrung damit, wie Totes wieder lebendig wird»

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Prof. Michael Herbst (Bild: flickr)
In einem zunehmend glaubensfernen und -kritischen Umfeld sind Christen aufgefordert, mit Mut und Freude von Jesus und dem Evangelium zu sprechen. Dazu rief der Theologe Prof. Michael Herbst die Teilnehmenden des Willow Creek Leitungskongresses auf.

Ulrich Eggers, erster Vorsitzender von Willow Creek Deutschland, zeigte sich erleichtert über den Start des Kongresses angesichts früherer Probleme: «Endlich ist es losgegangen.» Die Corona-Pandemie führte zu einigen Schwierigkeiten bei der Willow-Creek-Arbeit: Der letzte Leitungskongress in Karlsruhe im Februar 2020 musste wegen Corona-Infizierungen vorzeitig abgebrochen werden. Und der zunächst anvisierte Termin für einen Leitungskongress im Februar dieses Jahres wurde wegen der damals aktuellen Corona-Bestimmungen in den August verschoben.

«Connected» ist der Titel des Leitungskongresses vom 25. bis 27. August auf dem Leipziger Messegelände, der damit auch ein Statement des Veranstalters für «die tiefe Sehnsucht vieler Menschen nach Verbundensein» ist. Durch die Pandemie seien viele Verbindungen gekappt und persönliche Beziehungen auf die Probe gestellt worden. Von den rund 4'700 Teilnehmenden sind 3'700 Kongressbesucher in Leipzig und knapp weitere 1000 befinden sich an den acht weiteren Übertragungsorten.

Gesellschaftlicher Gegenwind

In seinem Vortrag zum Kongressauftakt beschrieb Prof. Dr. Michael Herbst die Krise, in der sich Kirchen und Gemeinden nach seiner Einschätzung befinden: Der christliche Glaube werde in der Gesellschaft weithin als etwas angesehen, das die persönliche Freiheit einschränke und zudem von «gestern» sei. Im Blick auf die Missbrauchsskandale trauten viele den Gemeinden und Kirchen nicht mehr, manche nähmen sogar eine feindliche Haltung ein. Der Philosoph Peter Sloterdijk bezeichne den christlichen Glauben als «gescheitertes Projekt».

Zerstrittenheit der Christen ist ein Skandal

Zur schwierigen Situation trage «die Zerstrittenheit unter denen bei, die an Jesus glauben», so Prof. Herbst. «Dies ist ein Skandal.» Aus der Geschichte der Brüdergemeinde lasse sich lernen, dass das Miteinander der Christen damals möglich wurde, als die Gläubigen bereit waren, aufeinander zuzugehen und um Vergebung zu bitten. Christen seien heute aufgefordert, «kritisch zu überprüfen, ob uns trennen muss, was uns unterscheidet, und darum das Anderssein zu ertragen».

Wichtig sei zudem, die schwierige Situation nicht schönzureden, sondern zu akzeptieren. Es helfe auch nicht weiter, sich in frühere Zeiten «zurückzuträumen». Doch damit sei die Lage der Christen heute nicht schlechter als die der ersten Christen, die Jesus als «kleine Herde» und «Schafe unter Wölfen» bezeichnete, so Prof. Herbst. Genau dies sei die «Platzanweisung Gottes», die es zu akzeptieren gelte. «Es ist nicht schlimm, Minderheit zu sein. Die ersten Christen lebten kraftvoll als Minderheit, und sie rockten die antike Welt.»

«Beten ist angesagt»

Prof. Michael Herbst unterstrich, dass «beten angesagt ist». Dabei gehe es aber nicht um ein magisches Verständnis von Gebet, das sich darin zeige, dass mehr Gebet auch mehr bewirke. Vielmehr sei Folgendes entscheidend: «uns vor Gott beugen, unser Versagen bekennen und unsere leeren Hände ausstrecken.»

Das Entscheidende sei das Evangelium, so Prof. Herbst. «Wir sind Kirche wegen des Evangeliums.» Die Hoffnung liege auf dem auferstandenen Jesus. «Unsere Krise ist nichts im Vergleich zu Golgatha. Er hat Erfahrung damit, wie Totes wieder lebendig wird. Und wir sind nicht mehr tot als Lazarus.» Jesus rufe immer wieder Gemeinden ins Leben, die von den Pforten der Hölle überwunden werden könnten.

Willow Creek: Plattform für Mission und Leitungskompetenz

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Ulrich Eggers (Bild: SCM Hänssler)
Die Willow Creek-Arbeit versteht sich als überkonfessionelle Plattform für missionarischen Gemeindeaufbau sowie eine strategische und integre Leitung. Ulrich Eggers machte deutlich, dass das Evangelium angesichts der aktuellen Fragen und Herausforderungen sehr wohl «krisentauglich sei».

«Die lokale Gemeinde ist die Hoffnung der Welt», so Eggers. Der Kongress sei eine einzigartige Plattform, weil sie eine Initiative sei und nicht von einer bestimmten Kirche ausgehe. Der Beitrag von Willow für die Gemeinden sei es, entscheidende Anregungen und Motivation zum missionarischen Gemeindebau und zu einer Leitungskompetenz zu geben, die integer und strategisch sei. 

Zum Thema:
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Datum: 25.08.2022
Autor: Norbert Abt
Quelle: Livenet

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