Tagung und Attentat

«Sie werden ihrem Glauben treu bleiben»

Die Menschenrechtler von «Christian Solidarity International» (CSI) laden zur Jahrestagung. Einer der Schwerpunkte: Pakistan. Dies kommt nicht von ungefähr. Das Schweizer Werk steht der Kirche bei, in der durch ein Attentat über hundert Menschen gestorben sind. Wir sprachen mit Projektleiter Gunnar Wiebalck.

Zoom
Das Bild zeigt die anglikanische St. Andrews Kirche in Karachi, nicht jene in Peschawar.
Gunnar Wiebalck, was ist dieser Kirche widerfahren?
Gunnar Wiebalck:
Einzelheiten zur Bombenexplosion am 22. September 2013 ergeben sich aus Presseberichten. Diese Berichte sind jedoch zum Teil ungenau. So ist die betroffene «All Saints»-Kirche nicht katholisch, sondern gehört zur «Church of Pakistan», also eine Mitgliedskirche der Anglikanischen Kirche. Der überlebende Pfarrer der Gemeinde hat nach dem Anschlag bereits mehr als 120 Totenscheine ausgestellt. Er vermutet, dass beim Anschlag am 22. September noch mindestens weitere 40 Menschen ums Leben gekommen sind. In der Presse ist von ungefähr 80 Toten die Rede.

Wie verarbeitet die Gemeinde das?
Im Gegensatz zu vielen Christen bei uns in Europa, die sich innerlich von ihrer Kirche und teilweise sogar vom Christentum selbst verabschiedet haben, handelt es sich bei den meisten pakistanischen Christen um tiefgläubige Menschen, die ihren Glauben bereits lebenslang gegen Widerstände, Benachteiligungen und Ungerechtigkeiten verteidigen mussten. Sie werden ein solches Ereignis nicht zum Anlass nehmen, zu Hass, Gegengewalt und Rache aufzurufen, sondern werden sich um die Trauerfamilien kümmern und wo immer möglich Hilfe und Trost spenden. Vor allem aber werden sie ihrem Glauben an Jesus, der uns Sündern im Leiden vorangegangen ist und ans Kreuz geschlagen wurde, treu bleiben.

Wie reagierte die Nachbarschaft der Kirche?
Ich habe der Presse entnommen, dass sich muslimische Nachbarn spontan zum Blutspenden für die Opfer bereit erklärt haben. Mir erscheinen solche Berichte glaubwürdig, denn die Mehrzahl der Muslime in Pakistan und in anderen Gegenden dieser Erde können Recht und Unrecht sehr wohl voneinander unterscheiden. Diese Muslime kümmert es wenig, dass der Koran die Freundschaft zu Nichtmuslimen eigentlich verbietet.

Wie hilft CSI dieser Kirche?
CSI hat eine Soforthilfe von 60'000 Franken für die Opferfamilien bereitgestellt. Sie wird vor allem für die medizinische Versorgung der vielen Verletzten eingesetzt.

Wie ist es zum Kontakt gekommen?
CSI wurde vor vielen Jahren vom damaligen Minister für religiöse Minderheiten, Shahbaz Bhatti, nach Islamabad eingeladen. Wir sind in der Folge mit einer Vielzahl von Organisationen, christlichen, muslimischen und anderen religiösen Minoritäten, wie zum Beispiel den Ahmadiyyas, in Verbindung gekommen. Leider wurde unser Erstkontakt Shahbaz Bhatti am 2. März 2011 von Religionsextremisten in seinem Auto erschossen.

Was hat diese Kirche jetzt nötig?
Die Kirche benötigt sicher noch wesentlich mehr Hilfen und es ist notwendig, die Tatsache der Christenverfolgung in islamischen Ländern auch in unserer zum Teil abgestumpften Kirche und Gesellschaft deutlicher ins Bewusstsein zu rufen. Solidarität mit den Opfern ist dringend nötig und CSI ist seinen Freunden und Spendern dankbar für viele Gaben und Gebete.

Was tut CSI sonst noch in Pakistan?
CSI bemüht sich darum, die Ungerechtigkeit und Folgen der in Pakistan herrschenden Blasphemie-Gesetze anzuprangern, durch Öffentlichkeitsarbeit, Berichte und Appelle an die Regierung. Unser Hilfsprogramm sieht unter anderem auch Unterstützung für Christen vor, die Opfer der Flutkatastrophe von 2010 geworden sind und die als Vertriebene bis heute kein normales Leben führen können. So besuchen viele Kinder der Vertriebenen noch nicht einmal eine Schule, was ein Leben in Unwissenheit und Armut vorprogrammiert. Die radikalen Taliban (Koranschüler) im Land versuchen noch dazu, Mädchen vom Schulbesuch fernzuhalten, weil sie Bildung von Frauen als Gefahr für die vom Koran geforderte Vorherrschaft der Männer sehen. CSI hilft christlichen Initiativen im Land, die Schulen bauen und Mädchen und Buben armer Familien eine Grundbildung ermöglichen.

CSI lädt zur Tagung nach Zürich, am 5. Oktober 2013 von 10 bis 16 Uhr in der Reformierten Kirche, Unterstrass an der Turnerstrasse 45. Schwerpunkte sind Pakistan, Indien und Nigeria.

Webseite:
CSI

Datum: 02.10.2013
Autor: Daniel Gerber
Quelle: Jesus.ch

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