Mission-Net Kongress

«Wir sollten Mission nicht den Spezialisten überlassen»

Am 28. Dezember geht es los: Dann treffen sich in Offenburg, Süddeutschland um die 2'500 Jugendliche und junge Erwachsene aus 50 Ländern zum vierten «Mission-Net Kongress». Die Hamburgerin Evi Rodemann ist Leiterin von Mission-Net. Wie sie die Rolle der Jugend in der Mission sieht und was man machen muss, damit ein Kongress nicht bloss zum «Hype» wird, erläuterte sie kürzlich in einem Interview mit dem Internetportal «Evangelical Focus».

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Evi Rodemann
Evangelical Focus: Was erwartet die jungen Leute, die am Mission-Net Kongress teilnehmen?
Evi Rodemann: Beim Kongress werden sie von vielen anderen europäischen Jugendlichen ermutigt. Wir haben Teilnehmer im Alter von 16 bis 30 Jahren, auch ältere Mitarbeiter und viele Aussteller. Es ist eine besondere europäisch-familiäre Atmosphäre, gerade in dieser Zeit, in der Europa so zerteilt ist und eine Krise durchlebt. Es ist so wichtig, andere Leute zu finden, die gleich denken wie wir, Christen, die ihren Glauben leben. […] Wir wünschen uns, dass Europa erneut verwandelt wird, dass Europäer rausgehen und eine echte Veränderung in dieser Welt erzeugen.

Wie sieht die christliche Jugend Ihrer Meinung nach Mission?
Ich habe beobachtet, dass es dazu viele unterschiedliche Meinungen gibt. Einige denken einfach, dass es die Weltmission gibt, sie aber in ihrem Leben keine Rolle spielt. Wenn eine Gemeinde sich nicht auf Mission ausrichtet, versteht oft auch die Jugend der Gemeinde nicht, wie wichtig Mission ist. Aber ich sehe andere junge Leute, die daran interessiert sind, Veränderung zu sehen – sie selbst wollen die Welt verändern. Und sie sind traurig über das, was sie bei sich zu Hause vorfinden. Sie würden gerne sehen, wie sich ihre Kirche stärker um die Nöte der Menschen kümmert – für sie bedeutet Mission, dass man Christus durch Wort und Tat weitergibt.
Wenn Jugendliche spüren, dass wir auch ihnen Aufgaben übertragen und Mission nicht nur den Eltern oder der älteren Generation überlassen, sind sie total eifrig, hungrig. Wenn du ihnen einen Grund gibst, für den sie leben können, dann werden sie alles dafür tun. Deshalb sollten wir Mission nicht den Spezialisten überlassen. Alle von uns können daran teilnehmen, indem wir spenden, uns in ein Projekt einbringen oder wie auch immer…

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Mission-net-Kongress
Bei Mission-Net erwarten Sie um die 2'500 junge Leute aus fast 50 Ländern, die meisten von ihnen aus Europa. Welchen Herausforderungen müssen sich europäische Christen heutzutage stellen?
Wir könnten die vielen Krisen anschauen, denen wir uns stellen müssen: Es könnte die finanzielle Krise sein, die einen riesigen Einfluss hat. Oder die Arbeitslosigkeit, Klimaveränderung, Flüchtlinge. […] Ich persönlich denke aber, dass die aktuelle geistliche Krise die schlimmste von allen ist. Es ist eine riesige Chance, den jungen Leuten zu zeigen, was eine geistliche Mutter oder ein Vater ist, jemand, der mit ihnen auf dem Weg geht, der ihnen zeigt, was es bedeutet, ein Jünger zu sein.

Wir sind manchmal so Programm-orientiert, aber Jüngerschaft ist ein Prozess. Es bedeutet, mit der Person zu laufen. Und das ist eine der grössten Dinge, die wir auf dem Herzen haben – den Jugendlichen zu zeigen, was die Bibel zu den verschiedenen Themen sagt, wie wir als Kirche darauf reagieren und an unserer Identität in Christus arbeiten können.

Als Christen befinden wir uns überall auf dem Missionsfeld. Wie können wir an unserer Schule, bei unserer Arbeit oder dort, wo Gott uns hingestellt hat, unsere Gesellschaft beeinflussen?
Für mich ist das Wichtigste, dass man sich in Gott gründet und nicht versucht, die Welt zu verändern, beeinflusst durch die eigene Wahrnehmung der Nöte. Die Flüchtlingskrise, beispielsweise, zerreisst mir das Herz und ich würde am liebsten losgehen und ihnen zu Essen geben, aber ich weiss, dass es da noch mehr gibt. Als erstes muss ich zu Gott kommen und ihn fragen: «Gott, du hast mich in dein Königreich und in deine Familie berufen. Was kann ich als Teil deines Reiches tun?» Wenn jeder von uns jeden Tag beten würde: «Gott, wen willst du heute durch mich segnen?», dann würden wir einen Eindruck in unserer Gesellschaft hinterlassen. Es ist also egal, wo Gott dich hingestellt hat. Es geht vielmehr um die offene Einstellung, zu sagen: «Gott, ich möchte ein Segen sein, weil du mich gesegnet hast.» Das bringt Salz und Licht in die Gesellschaft.

Häufig organisieren wir Events, Evangelisationen, etc., aber wir vergessen den nächsten Schritt. Wie wichtig ist Ihnen die Nacharbeit, die Jüngerschaft und warum?
Konferenzen sind genial, sie ziehen Leute an und helfen ihnen, sich für eine Sache zu vereinen. Aber wenn wir die Nacharbeit nicht vorbereiten, dann kreieren wir einfach einen «Hype». Und wenn die Teilnehmer wieder nach Hause kommen, sind sie vielleicht noch stärker am Boden zerstört als vorher.

Deshalb denken wir bei Mission-Net viel über die gesamte Bewegung nach. Wir haben sehr gute Berater, die uns zeigen, wie wir die Jugend schulen können, damit sie die DNA des missionalen Lebensstiles mit nach Hause nehmen. […] Derzeit arbeiten wir an einem Hilfsmittel, durch das wir die Teilnehmer zwischen den Konferenzen jeden Monat mit einem Input versorgen. Es sind 24 Dinge, die man mit der Jugendgruppe machen kann: ein Einsatz unter Flüchtlingen; eine Aktion, bei der man gibt; in der Bibel über das Thema Mission lesen; Dinge, die in uns einen Rhythmus erzeugen, damit wir nicht nur von den Events und Konferenzen zehren müssen. Wir wollen, dass die Jugend nicht nur ausgrüstet wird, sondern zum Multiplikator wird. Wenn das unser Fokus ist, dann sind unsere Konferenzen immer noch genial und so gut sie irgend sein können, aber wir denken dann trotzdem immer daran, die Jüngerschaft in den jungen Leuten zu stärken und zu schauen, wie wir sie mobilisieren und schulen können, damit sie im grossen Stil denken.

Das Interview wurde von Livenet übersetzt und gekürzt. Das komplette Interview in englischer Sprache finden Sie hier.
Es sind immer noch Plätze frei, um an der Mission-Net-Konferenz in Offenburg teilzunehmen. Informationen und Anmeldungen hier.

Zur Webseite:
Mission.ch
Mission-net

Zum Thema:
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Datum: 22.12.2015
Autor: Rebekka Schmidt
Quelle: Livenet / Evangelical Focus

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